Ein schöner Tag in… Stellenbosch, Südafrika

Mariam

24.09.2018

Jeder schöne Tag fängt gut ausgeschlafen mit einem leckeren Frühstück an. Der Geheimtipp lautet hier Tiger’s Milk, denn so günstig und gut kann man sonst nirgendwo frühstücken. Für 30 Rand (ca. 2 Euro) bekommst Du eine leckere Platte mit einem Ei und Heißgetränk Deiner Wahl. Von dort läufst Du die Dorpstreet mit ihren süßen kolonialen Häuschen entlang (Richtung Innenstadt) bis Du an ihrem Ende auf den Eerste River stößt. Ein Stück an dem kleinen Fluss entlang liegt das Coetzenburg Stadium, an sich nicht besonders sehenswert, aber am Fitnessstudio vorbei führt ein kleiner Weg den Hügel hinauf und in den Wald hinein. Der Pfad führt Dich an einem kleinen Stausee vorbei zum Fuß des Stellenbosch Mountains, einem der zwei großen Berge, die man praktisch von überall in der Stadt sieht.

Hier lohnt sich schon die ganz kleine Wanderung (ca. eine Stunde bergauf) auf die erste Kuppe des Berges, die durch den kleinen Funkmast nicht zu verfehlen ist. Unter Dir erstreckt sich jetzt die Stadt, Du blickst auf die weiten Hügel der Winelands, in der Ferne sieht man mit etwas Glück sogar den Tafelberg und die Ausläufer Kapstadts.

Auf dem Rückweg biegst Du hinter dem kleinen Stausee nach links ab und schlägst Dich geradeaus durch den Wald, bis Du nach ein paar Minuten einen etwas versteckten zweiten Baggersee erreichst. Hier kannst Du schön sitzen, die Füße ins Wasser baumeln lassen und auf den Berg blicken, der sich im Wasser spiegelt. Am besten hast Du noch eine Dose Grapetiser dabei, eine Art Traubenlimonade, nur ganz anders und speziell südafrikanisch. Baden ist in dem See zwar offiziell nicht erlaubt, macht aber eigentlich jeder.

Nach dieser kleinen Erfrischung läufst Du zurück zum Eerste River. Von hier aus ist es etwa eine halbe Stunde zum Lanzerac Wine Estate, der zentralsten und zu den ältesten Wine Estates Stellenboschs zählenden Farm. Hier kannst Du an großen Holztischen auf der Veranda sitzend mit Blick auf die Weinreben die leckeren Weine durchprobieren.

Von hier geht es durch den wildromantischen Jan Marais Park zurück in die Innenstadt und zum Café Meraki, wo Du unbedingt, das ist wirklich sehr essentiell, den göttlichen Carrot Cake essen musst. Den besten Carrot Cake der Welt gibt es meiner Meinung nach in Südafrika und den besten Südafrikas im Meraki. Draußen sitzend kannst Du dort wunderbar die vorbeilaufenden Menschen beobachten, blickst auf hübsche Kolonialbauten und fängst vielleicht langsam an, Dich zu fragen, ob Du überhaupt in Afrika bist.

Von diesem süßen Café und dieser schönen Ecke Stellenboschs, in der Du so unglaublich leicht in Deiner weißen, privilegierten Blase leben und jeglichen Rassismus vergessen kannst, ist es nur ein kurzer Weg zu einem ganz anderen Stellenbosch auf der anderen Seite der Eikestad Mall: der Minibustaxibahnhof, wo die Minibusse in Stellenboschs Township Kayamandi fahren. Statt Woolworths gibt es hier Pick n Pay und Du siehst fast keine Weißen mehr. Es scheint fast, als würde eine unsichtbare Grenze durch die Mall verlaufen, so wie diese Grenze immernoch durch die südafrikanische Gesellschaft verläuft.

Zurück in Deiner weißen Blase macht sich langsam vielleicht wieder Hunger bemerkbar: Zum Abendessen ist das libanesische Restaurant Manoush sehr empfehlenswert, ist zwar etwas teurer aber sehr lecker. Meine Lieblingsbar in Stellenbosch ist das Bohemia, dorthin kommst Du vom Manoush wenn Du die Andringa Street einfach Richtung Mall hochläufst. Die Bar ist einfach cool, ein bisschen abgefuckt, aber irgendwie gemütlich und – so kommt es mir vor – eine der wenigen Bars, in der man Menschen unterschiedlicher Hautfarben sieht. Hier auf gar keinen Fall den Wein trinken – der ist wirklich schlecht – dafür gibt es aber Gin-Tonic für nur 26 Rand (keine 2 Euro). Wenn Du noch ein bisschen mehr Einblick in die Kultur der weißen Afrikaans-sprechenden Bevölkerung bekommen willst, dann solltest Du im Catwalk vorbei schauen. Dort läuft zwar eigentlich ziemlich schlechte Musik, aber im ersten Stock gibt es einen Soki-Floor, wo der typisch Afrikaanse Paartanz getanzt wird. Ist auf jeden Fall ein Erlebnis und wenn Du einen gut führenden Tanzpartner findest, ist es auch sehr witzig, das mal selbst auszuprobieren. Von der weißen Ausgehszene sind es nur ein paar Querstraßen zu dem Club, wo die Schwarzen und Farbigen vornehmlich hingehen: dem Entourage. Da kannst Du auch wunderbar tanzen, sogar ohne Standardpaartanzschritte. Und letztlich endet irgendwie jeder Abend dann mysteriöserweise doch immer im Mystics, wo Du zu elektronischer Musik die Nacht durchtanzen kannst. Wohlgemerkt heißt die Nacht durchtanzen in Südafrika bis 2 Uhr. Dann schließen nämlich alle Clubs und Du gehst nach Hause.

Wo man wann abends so hingeht

Montag:

Nacho’s day im Buena Vista Social Club (zwei Portionen für den Preis von einer) (auch eine sehr gemütliche Kneipe, nur leider ein bisschen außerhalb Richtung Somerset West)

Mittwoch:

Lady’s night im Balboa (schöne, etwas schickere Bar) und die Nacht, wo Studenten ausgehen

Donnerstag:

Quiznight im Aandklas (der Rockclub Stellenboschs), Livemusik im Balboa (meist Blues oder Jazz)

Samstag:

Oft Livemusik im Aandklas

Sonntag:

Bingo Night im Bohemia mit anschließender Livemusik (sollte man auf gar keinen Fall verpassen! Bingo night ist in Stellenbosch im Gegensatz zum langweiligen Alte-Leute-Spiel-Klischee wirklich ein Erlebnis!)