3. Etappe: von Sombor bis Dimitrovgrad

Sarah

22.08.2019

Per Anhalter fahren wir von Gara auf der ungarischen Seite bis in das serbische Sombor. An der Grenze zeigen wir unsere Pässe, bekommen einen Stempel und können wieder einsteigen. Genauso unkompliziert ist unser Fahrer. Er bringt uns von selbst in den nächsten Ort und hält vor einer Wechselstube: neues Land, neue Währung. Mit unseren neu erstandenen Dinar kaufen wir Bustickets nach Novi Sad, der zweitgrößten Stadt des Landes. In Serbien werden Zeltplätze immer seltener, weshalb wir auf private Unterkünfte, Hostels und Pensionen umsteigen. Das kostet leider etwas mehr, aber dafür können wir anderweitig sparen. Je weiter wir nach Osten kommen, umso günstiger werden Lebensmittel und immer häufiger können wir an kleinen Ständen am Straßenrand frisches Obst und Gemüse kaufen.

Es ist mein erster Aufenthalt in Serbien. Der Balkanstaat liegt zwar in Europa, kommt mir aber ziemlich weit weg vor. In den Medien wird nur selten über Serbien berichtet und wenn dann im Zusammenhang mit dem Kosovo-Konflikt. Auch als Urlaubsziel ist es bisher nur bei Backpackern beliebt. Novi Sad hat uns jedoch sofort in seinen Bann gezogen. Es gibt viele kleine Gassen mit hübschen Straßencafés, überall sitzen junge Leute, es gibt viele Parks mit Trimm-Dich-Pfaden, Straßenmusiker und sogar mehrere Badestellen an der Donau. Die Stimmung ist fröhlich und kreativ. Aus einem Tag werden schnell zwei und am liebsten würden wir noch länger bleiben.

Die nächsten zwei Tage wandern wir vor allem durch ländliche Gebiete. Die Wege sind hier noch nicht vollständig erschlossen und das merken wir: häufig suchen wir vergeblich nach blauen Pfeilen und verlaufen uns. Doch für die Anstrengung belohnt uns die Natur. Mir gefällt die ländliche Atmosphäre sehr gut – wir wandern durch alte Bauerndörfer sowie durch bunte Wiesen, Felder und Weinberge. Ich genieße die Zeit und komme zur Ruhe. Umso größer ist der Schock, als wir per Anhalter Belgrad erreichen. Die quirlige Hauptstadt kommt mir überfüllt, schmutzig und grau vor. Ich möchte schnell wieder weg hier. Mich zieht es in die Natur und ich brauche Bewegung. Umso verlockender klingt die Empfehlung einer Frau in der Touristeninformation: der Nationalpark Tara. Ausgehend von dem kleinen Ort Bajina Bašta könne man Rafting-Touren unternehmen. Damit überzeugt sie uns. Auch wenn das einen Umweg bedeutet, fahren wir am nächsten Tag in das kleine Örtchen an der bosnischen Grenze.

Das angepriesene Wasserrafting ist eher eine entspannte Schlauchbootfahrt, doch die Landschaft entlohnt uns für den verpassten Adrenalinkick: kleine Wasserfälle, glasklares Wasser, Fischerhütten und dichter Wald. Der Nationalpark ist ein echter Geheimtipp. Wir sind begeistert.

Unser Guide findet die Tour scheinbar genauso gemütlich wie wir. Nach fünf Minuten drückt er uns die Paddel in die Hand und telefoniert für den Rest der Zeit. Nach etwa zwei Stunden dirigiert er uns an das Ufer und mit den Worten „Tour End“ verabschiedet er sich von uns und lässt uns einfach stehen. Okay… Danke. Wo sind wir? Wie kommen wir hier weg? Wir müssen ziemlich ratlos ausgesehen haben – ein anderes Schlauchboot hält an und wir erklären unsere Situation. Die acht Männer rutschen zusammen und nehmen uns flussabwärts mit. Sie machen einen Wochenendausflug und sind schon in ziemlich guter Stimmung, die Bier- und Wodkaflaschen reihen sich auf dem Boden. Wir erleben einen sehr witzigen Nachmittag: Zwischenstopp mit Apfelkuchen und Pflaumenschnaps auf der bosnischen Uferseite, ein Bad in dem eiskalten Wasser und ein Grillabend am Ende der Bootsfahrt. Auch wenn die Kommunikation schwierig ist, haben wir viel Spaß und freuen uns über diesen persönlichen Einblick. Der Umweg hat sich gelohnt.

Am nächsten Tag kehren wir auf den Sultan’s Trail zurück und wandern weiter nach Südosten. Ich habe Serbien als ein sehr gastfreundliches Land kennengelernt, in dem nicht alles so geregelt abläuft, wie wir es aus Deutschland gewöhnt sind. Es ist wichtig die Dinge so zu nehmen wie sie kommen und sich dabei zu entspannen – ein Zeitplan hat hier keine große Bedeutung mehr. Mir gefällt die Einstellung und gespannt auf weitere Erlebnisse laufen wir Richtung Bulgarien.